Der Elbaman war für mich immer ein besonderer Wettkampf. Elba Ende September, spätsommerliche Wärme, technisch anspruchsvolle Radstrecke, ehrlicher Marathon. Dass der Elbaman 2025 bis auf Weiteres die letzte Austragung auf der Insel Elba sein würde, verlieh diesem Rennen von Beginn an eine zusätzliche emotionale Tiefe. Für mich persönlich kam noch eine zweite Ebene dazu. Nur 18 Tage vor dem Start lag ich wegen meines leistungsbedingten Vorhofflimmerns auf dem OP-Tisch zur Katheterablation.

Ausgangslage – zwischen Vorsicht und Vorfreude
Physisch war ich erstaunlich motiviert, mental aber klar gebremst. Nach einer Ablation fehlt nicht nur das Vertrauen in die Belastbarkeit des Körpers, sondern vor allem in die Vorhersagbarkeit der Herzfrequenz. Ich ging bewusst mit angezogener Handbremse an den Start. Kein Ego, kein Risiko, sauberes Pacing, saubere Entscheidungen. Gleichzeitig war die Vorfreude riesig. Elba zieht. Die Atmosphäre, die Strecke, die Menschen.
Der Schwimmstart im Golf von Marina di Campo verlief ruhig und kontrolliert. Das Meer war für Elba typisch leicht bewegt, gut schwimmbar. Ich blieb defensiv, fand meinen Rhythmus und kam ohne Stress aus dem Wasser. Genau so, wie geplant.
Radstrecke – Flow, Druck, Euphorie
Die Radstrecke des Elbaman ist anspruchsvoll, aber fair. Vier Runden mit ständigem Auf und Ab, technisch fordernden Abfahrten, kurzen, giftigen Anstiegen und kaum echten Erholungsphasen. Genau mein Terrain. Die ersten rund 90 Kilometer liefen überraschend gut. Sehr gut sogar. Der Druck auf dem Pedal stimmte, die Herzfrequenz blieb stabil, der Kopf war frei. Ich konnte pushen, ohne über die Linie zu gehen. Keine Palpitationen, keine Warnsignale. Motivation pur.
Ich begann kurz zu glauben, dass es funktionieren könnte. Dass der Körper die OP nicht nur toleriert, sondern bereits verarbeitet hatte.
Der Bruch – wenn der Körper die Entscheidung trifft
Ziemlich exakt bei Kilometer 95 kam das Vorhofflimmern zurück. Völlig unerwartet. Ohne Vorwarnung. Der Puls schoss hoch, die Koordination ging verloren, das Gefühl für Leistung war weg. Ich musste anhalten. Warten. Atmen. Puls beruhigen. Danach war nichts mehr wie zuvor.
Das Bild, das mir in den Kopf kam, war klar. Ein Sechszylinder-Rennmotor, bei dem plötzlich zwei oder drei Zylinder ausfallen. Das System läuft noch, aber ineffizient, unrund, kraftlos. Ich fuhr weiter, aber langsam. Immer an der Grenze. Jeder kleine Anstieg drohte, das Flimmern erneut zu triggern. Die restliche Radstrecke wurde zum mentalen Überlebensmodus.
Laufstrecke – Kampf im roten Bereich
In T2 war klar, dass es jetzt nur noch ums Ankommen ging. Laufen im klassischen Sinn war kaum möglich. Ich bewegte mich laufend-gehend über die Strecke. Die Herzfrequenz lag bei rund 140 Schlägen pro Minute. Ein Wert, den ich sonst bei einem schnelleren 4:10er-Pace-Lauf sehe. Jetzt fühlte er sich an wie ein Schwellenlauf bergauf im Schneckentempo..
Die Laufstrecke des Elbaman am Promenadenbereich und durch das Dorf wunderschön, aber gnadenlos ehrlich. Asphalt, wenig Schatten, lange Abschnitte entlang der Küsten Promenade, mentale Einsamkeit. Ich kämpfte mich Kilometer für Kilometer voran. Kein Drama, kein Selbstmitleid. Nur Fokus. Schritt für Schritt.
Ziel – erschöpft, leer, dankbar
Irgendwann kam das Ziel. Langsam. Viel langsamer als alles, was ich mir jemals für einen Ironman vorgenommen hatte. Aber ich kam an. Komplett leer. Körperlich am Limit. Mental erschöpft. Gleichzeitig tief zufrieden. So hart war schon lange kein Triathlon mehr. Nicht wegen der Geschwindigkeit, sondern wegen der Umstände.
Der Elbaman 2025 war kein Rennen der Zahlen. Er war ein Rennen der Entscheidungen, der Akzeptanz und des Respekts vor dem eigenen Körper. Dass es gleichzeitig der letzte Elbaman auf Elba war, macht diesen Tag umso prägender.
Rückblick
Ich hätte abbrechen können. Rational wäre das vertretbar gewesen. Emotional war es keine Option. Nicht an diesem Ort. Nicht bei diesem Rennen. Nicht in dieser Phase meines Lebens. Der Elbaman 2025 hat mir erneut gezeigt, wie schmal der Grat zwischen Leistungsfähigkeit und Gesundheit sein kann. Und wie wichtig es ist, zuzuhören, auch wenn der Kopf etwas anderes will.
Elba, du warst hart. Du warst ehrlich. Du warst würdig. Hoffentlich gibt es dein Elbaman Rennen irgendwann wieder.
